Pressestatement von Rebalance Now, Oxfam Deutschland und Forum Fairer Handel
Das Bundeskartellamt hat heute die Übernahme von 178 Tegut-Filialen durch Edeka unter Auflagen freigegeben. Edeka sagt zu, 24 weitere Filialen in den nächsten vier Jahren nicht zu übernehmen. In einer ersten, vorläufigen Bewertung hatte das Bundeskartellamt bei 38 Märkten wettbewerbliche Bedenken. Das Forum Fairer Handel, Oxfam Deutschland und Rebalance Now kommentieren:
„Die weitgehende Freigabe der Tegut-Edeka-Übernahme ist problematisch. Vier Supermärkte kontrollieren über 90 Prozent des Marktes und verdrängen immer mehr kleinere Wettbewerber. Dass Edeka nun weitere Märkte aufkaufen darf, wird seine Stellung als Marktführer weiter verstärken“, kommentiert Ulrich Müller, Vorstand von Rebalance Now. „Zwar darf Edeka weniger Tegut-Standorte übernehmen als ursprünglich gewünscht. Das begrenzt den Schaden etwas, verhindert aber den Machtzuwachs für Edeka nicht. Das Grundproblem der wachsenden Marktkonzentration stoppen die Auflagen nicht“, erklärt Steffen Vogel von Oxfam Deutschland.
„Die Verhandlungsmacht von Edeka gegenüber Zulieferern wird durch die Übernahme weiter steigen. Die zunehmende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist gefährlich – für Verbraucher*innen, die mit höheren Preisen und weniger Vielfalt rechnen müssen, und für die Landwirtschaft und mittelständische Hersteller, die unter dem Preisdruck der Händler ächzen. Dass das Bundeskartellamt auf den Beschaffungsmärkten keine Probleme sieht, zeigt Lücken in der Fusionskontrolle“, kritisiert Mattias Fiedler, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel.
Das Bundeskartellamt verweist darauf, dass der Zuwachs für Edeka gering sei. Aber bereits jetzt berichten Zulieferer an den deutschen Lebensmitteleinzelhandel von Machtmissbrauch in den Vertragsverhandlungen. Dazu erklärt Steffen Vogel: „Auch ein kleiner Zuwachs von Edekas Beschaffungsvolumen ist bei der bereits existierenden großen Verhandlungsmacht der vier großen Anbieter negativ zu bewerten und sollte eine komplette Untersagung rechtfertigen.“
Die Sorgen der Beschäftigten in den betroffenen Märkten sind dabei ernst zu nehmen. Doch die steigende Marktkonzentration sorgt langfristig für weniger Beschäftigung. „Migros sollte für die Märkte einen anderen Abnehmer außerhalb der großen vier Supermarkt-Konzerne finden“, fordert Matthias Fiedler.
Ulrich Müller ergänzt: „Wir brauchen mehr Vielfalt und Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel. Dazu braucht es jetzt eine Sektoruntersuchung mit weitreichenden Abhilfemaßnahmen – bis hin zur Entflechtung der dominanten Konzerne.”
Weitere Informationen:
- Unsere Stellungnahme an das Bundeskartellamt zu der tegut-Übernahme
- Unsere Studie „Marktmacht und ihre Folgen“ zur Marktkonzentration in Lebensmittellieferketten
Foto: Matheus Cenali, unsplash
