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Neue Untersuchung zum Google-Imperium

von | 10.12.2025

Große Tech-Konzerne sind erstaunlich flexibel darin, wie sie Macht über die Entwicklung und Kontrolle von Technologien ausüben. Eine empirische Untersuchung von Aline Blankertz, Brianna Rock und Nicholas Shaxson zeigt, dass Google eine Investitionsstrategie verfolgt, mit der es die globale Digitallandschaft prägt, und zwar allen anderen etablierten Tech-Konzernen voran. Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit und einige kartellrechtliche Untersuchungen auf Fusionen konzentrieren, hat Google ein Imperium von mehr als 6.000 Unternehmen aufgebaut, die es erworben, unterstützt oder in die es investiert hat, sowohl im digitalen Sektor als auch darüber hinaus.

Die Untersuchung zeichnet nach, wie Methoden der neoklassischen Ökonomik es Wettbewerbsbehörden erschweren, die Konzentration von Marktmacht zu erkennen, insbesondere in vertikaler und konglomerater Form, d.h. entlang von Wertschöpfungsketten und in Ökosystemen. Dieser Fehler zeigt sich klar in der Analyse vergangener Fehleinschätzungen: so etwa bei den Fusionen zwischen Google und DoubleClick (einer Werbedatenplattform) im Jahr 2008 und zwischen Google und Fitbit (einem Fitnesstracking-Gerätehersteller) im Jahr 2020, die kartellrechtlich für unproblematisch befunden wurden. Aus diesen Fehlern wurde nicht gelernt, sondern die Blindheit gegenüber vertikaler Machtkonzentration besteht aktuell fort: Wettbewerbsbehörden prüfen nicht einmal die umfangreichen Investitionen von Google. Zudem zeichnet sich ab, dass Google durch die Übernahme des Cloud-Cybersicherheitsanbieters Wiz für USD 32 Milliarden seine Macht erheblich ausweiten wird. Dies passiert zu einem Zeitpunkt, zu dem die US-amerikanische Regierung diese Macht auch für geopolitische Zwecke einsetzt.

Um die Fehler zu beheben, sind andere Analyseinstrumente erforderlich. Insbesondere gibt es Ansätze, mit denen sich die Vereinnahmung der ökonomischen Analyse durch neoklassische Ansätze (vor allem Industrieökonomik) überwinden lässt. Finanzökonomische Analyseinstrumente eignen sich besser, um die Untersuchung von vertikaler Integration und der Marktmacht von Ökosystemen in der Unternehmensrealität fußen zu lassen. Der Einsatz finanzökonomischer Instrumente würde es einfacher machen, die Durchsetzung von derzeit ineffektiven Ansätzen wie Verhaltensmaßnahmen hin zu strukturellen Interventionen wie Fusionsverboten zu verlagern.

Tech-Experte und Autor Cory Doctorow hat die Untersuchung kommentiert in einem Beitrag über „Der 40-jährige ökonomische Fehler, der Google die Welt erobern (und *enshittify*) ließ“. Darin erklärt er ausführlich und auch für Menschen ohne wettbewerbspolitisches Vorwissen, was vertikale Integration ist und warum Wettbewerbsbehörden sie dringend als Problem sowohl bei Googles Investitionsstrategie als auch bei der angekündigten Übernahme von Wiz erkennen müssen.

Bild von Cory Doctorow