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Ein Weckruf: steigende Preisaufschläge bei Supermärkten

von | 1.07.2024

Die Monopolkommission hat in ihrem heutigen Hauptgutachten neue Daten über Marktkonzentration und Preisentwicklungen im Lebensmittel-Sektor vorgelegt. Sie zeigen problematische Entwicklungen bei Preisen und Preisaufschlägen. Es ist gut, dass die Monopolkommission das weiter untersuchen wird. Zugleich brauchen wir ein stärkeres Eingreifen des Bundeskartellamts.

Die Analysen der Monopolkommission belegen deutlich, dass es sehr problematische Entwicklungen in den Lebensmittel-Lieferketten gibt. Die Preisaufschläge der Supermärkte und Lebensmittelindustrie steigen, die Erlöse der Landwirte sinken. Kostensenkungen werden nicht vollständig an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. 2022 stiegen die Preise in der Lebensmittelverarbeitung stärker als die (Grenz)Kosten. Es gab also in dieser Zeit der Inflation erhöhte Preissteigerungen. Die Daten enden für 2022. Wie die Preise sich aktuell entwickeln, kann das Gutachten also nicht beantworten. Allerdings gab es in der untersuchten Zeit von 2007-2022 zu keiner Periode zu einer Preissenkung im Lebensmitteleinzelhandel, selbst wenn es Preissenkungen im vorgelagerten Markt gab.

Grafik aus dem Hauptgutachten der Monopolkommission, das den Anstieg der Preisaufschläge zeigt

Steigende Preisaufschläge beim Einzelhandel. Grafik aus dem Hauptgutachten, S. 88

Die Erkenntnisse sind ein deutlicher Weckruf. Wir müssen endlich anerkennen, dass wir ein großes Macht-Problem im Lebensmittel-Sektor haben. Es ist gut, dass die Monopolkommission das weiter untersuchen wird. Sie war heute bei der Bewertung der Ergebnisse überaus vorsichtig. Dabei zeigen bereits diese Zwischenergebnisse, dass es ernsthafte Probleme im Lebensmittel-Sektor und beim Lebensmitteleinzelhandel gibt.

Wir werden um ein stärkeres Eingreifen des Bundeskartellamt nicht herumkommen. Das Bundeskartellamt sollte bereits parallel zu dem kommenden Sondergutachten der Monopolkommission eine anschließende Sektoruntersuchung zum Lebensmitteleinzelhandel vorbereiten. Diese könnte dann Abhilfemaßnahmen bis hin zur Entflechtung verhängen.

Das NGO-Bündnis „Initiative Konzernmacht beschränken“ hatte bereits im Januar in einem Statement eine Sektoruntersuchung durch das Bundeskartellamt gefordert. Die neuen Daten sind ein klares Signal, dass sich die Marktlage seit der letzten Sektoruntersuchung 2014 verändert hat. Mittelfristig stellt sich auch die Frage, ob die Missbrauchskontrolle kartellrechtlich gestärkt werden sollte, insbesondere der Ausbeutungsmissbrauch.