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Fachgespräch: Marktmacht in Agrar-Lieferketten

von | 16.12.2025

In einem Fachgespräch mit dem Hilfswerk Misereor haben wir Ende November die Machtkonzentration im Agrar- und Lebensmittel-Sektor beleuchtet. Sie wächst weltweit – mit negativen Folgen für die Menschen in der Landwirtschaft, Verbraucherinnen und Verbraucher und Umwelt. Das Kartellrecht kann ein Ansatz sein, um die Konzentration zu bremsen und zurückzudrängen. Aber dafür braucht es deutliche Reformen.

Wir erleben eine zunehmende Macht- und Marktkonzentration im Agrar- und Lebensmittel-Sektor weltweit. Viele Lieferketten werden auf mehreren Stufen von wenigen großen Unternehmen dominiert. So dominieren wenige Unternehmen wichtige Vorprodukte für die Landwirtschaft wie Saatgut, Pestizide oder Maschinen. Auch der Handel und die Verarbeitung von Agrarprodukten sind an vielen Stellen stark konzentriert.

Diese Konzentration und die Macht der Unternehmen aufgrund ihrer Größe und Ressourcen hat negative Auswirkungen. Dazu gehören geringe Erlöse für Bäuerinnen und Bauern, schlechte Arbeitsbedingungen, Menschenrechts­verletzungen und ökologische Folgekosten, weit verbreitete unfaire Handelspraktiken und überdurchschnittlicher Anstieg der Lebensmittelpreise.

In unserem Fachworkshop haben wir das Problem und mögliche Lösungsansätze mit Kolleginnen und Kollegen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft diskutiert. Dazu haben wir die Kaffee-Lieferkette angeschaut sowie die Macht der Supermärkte und Discounter. Im zweiten Teil ging es um das Potential und dem Reformbedarf des Kartellrechts. Es soll der Konzentration ökonomischer Macht entgegen wirken, hat dies in der Vergangenheit aber nur unzureichend getan. In den letzten Jahren gibt es Ansätze, die kartellrechtliche Instrumente wieder zu stärken.

Erfahrungen aus dem südlichen Afrika

Grace Nsomba vom Centre for Competition, Regulation and Economic Development (CCRED) an der Universität Johannesburg in Südafrika berichtete von Untersuchungen afrikanischer Wettbewerbsbehörden bei Futtermitteln und Geflügelzucht. Die starke Konzentration und vielfältige Verflechtungen zwischen internationalen Konzernen und großen Unternehmen vor Ort führe zu problematischen Bedingungen: kleine Produzierende werden an den Rand gedrängt, Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen überhöhte Preise.

Diese vielfältigen Machtbeziehungen müssen von den Kartellbehörden besser analysiert werden. Es brauche eine stärkere Fusionskontrolle und bessere Analysekonzepte für wirtschaftliche Macht. Nsombas spannender Beitrag zeigte, dass im südlichen Afrika die Bemühungen wachsen, diese Machtkonzentration stärker zu durchdringen.

Ein struktureller Ansatz ist wichtig

Das Fachgespräch war eine wichtige Gelegenheit, um die Analyse von Marktmacht in Agrar-Lieferketten zu vertiefen. Es zeigte, dass Machtungleichgewichte und Konzentration in Agrar-Lieferketten ein globales Problem sind. Um dem entgegenzuwirken braucht es einen strukturellen Ansatz. Das Kartellrecht kann hier eine wichtige Rolle spielen. Es muss aber verbessert und konsequenter umgesetzt werden.

Wir haben verschieden Reformen vorgestellt und gemeinsam diskutiert von einer strikteren Fusionskontrolle, über striktere Regeln gegen unfaire Handelspraktiken bis zur Aufspaltung dominanter Unternehmen. Anfang 2026 werden wir diese Reformperspektiven und unsere Analyse in einem Diskussionspapier genauer vorstellen.

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