// News

Google zerschlagen: die entscheidende Phase beginnt

von | 18.09.2025

Die EU hat entschieden: Google missbraucht seine Marktmacht in der Online-Werbung. Dafür muss der Konzern in Europa 2,95 Milliarden Euro Strafe zahlen. Aber Strafen allein bewirken wenig. Eine Aufspaltung Googles bleibt notwendig. Sie ist zwar verschoben, aber erfreulicherweise nicht vom Tisch.

Am 5. September 2025 verkündete die EU-Kommission, dass Google seine Marktmacht in der Online-Werbung missbraucht hat. Google habe den eigenen Auktionsserver AdX für Werbe-Anzeigen bevorzugt, damit seine Stellung gestärkt und so hohe Gebühren verlangen können. Dafür muss der Tech-Konzern 2,95 Milliarden Euro Strafe zahlen.

Das ist positiv, aber es reicht nicht aus. Google kann Milliardenstrafen leicht bezahlen. Allein in den ersten drei Monaten 2025 machte Google 34,5 Milliarden US-Dollar Gewinn. Strafzahlungen ändern das strukturelle Problem nicht, nämlich die Monopolmacht von Google.

60 Tage-Frist für Google

Deshalb ist ein anderer Aspekt der EU-Entscheidung wichtig: Google muss innerhalb von 60 Tagen Maßnahmen vorlegen, die einen weiteren Missbrauch seiner Marktmacht verhindern. Wenn Googles Vorschläge nicht ausreichen, wird die EU-Kommission selbst Auflagen verhängen.

Die Messlatte für Google liegt hoch: Konkret verlangt die EU-Kommission, dass Google seine Interessenkonflikte in der Online-Werbung beenden muss. Die EU-Kommission schreibt, dass dies nach ihrer Einschätzung nur durch einen Verkauf von Firmenteilen geht. Damit ist die Tür für eine Aufspaltung weiter offen.

Das Grundproblem: Googles Mehrfach-Monopol

Das strukturelle Problem ist Googles Monopolstellung auf mehreren Stufen der Online-Werbung. Der Tech-Konzern vermarktet nicht nur Anzeigen in der eigenen Suchmaschine oder auf Youtube. Es dominiert auch die Vermittlung von Online-Anzeigen auf anderen Webseiten, insbesondere der meisten Medien.

Beim Aufrufen einer Webseite laufen im Hintergrund in Sekundenbruchteilen mehrstufige Auktionen ab, welche Anzeigen auf dieser Seite zu sehen sind. Google dominiert alle Stufen des Auktionsprozesses. Es betreibt den größten Server, über den die Verleger ihre Anzeigenflächen anbieten. Es ist zugleich bei den Diensten marktbeherrschend, mit denen Werbetreibende auf der Gegenseite ihre Online-Anzeigenkampagnen steuern. Und es betreibt mit AdX den größten Auktionsserver auf dem Markt.

Der Konzern benachteiligt Verlage, Medien und andere Firmen, kassiert überhöhte Gebühren und eignet sich den Großteil der Werbeeinnahmen an. Das schwächt die Medien und damit die Demokratie – und schadet uns allen als Verbraucherinnen und Verbraucher.

Aufspalten ist der richtige Ansatz

Diese Machtstellung Googles auf mehreren Marktseiten führt unweigerlich zu Interessenskonflikten. Die Ermittlungen amerikanischer und europäischer Wettbewerbsbehörden belegen, dass Google diese Kontrolle über die verschiedenen Seiten des Markts jahrelang zu seinen Gunsten missbraucht hat. So habe Googles Adtech-Server für Verleger dem konzerneigenen AdX vorab Informationen über die Gebote anderer Auktionsdienste zur Verfügung gestellt.

Deshalb schreibt die EU-Kommission in ihrer Pressemitteilung, dass nach ihrer Einschätzung „nur die Veräußerung eines Teils seiner Dienste durch Google die inhärenten Interessenkonflikte auflösen würde“. Übersetzt: Nur eine Zerschlagung löst das Problem. Solange die EU-Kommission bei dieser Position bleibt, ist eine Aufspaltung von Google wahrscheinlich. Möglicherweise soll die 60-Tage-Frist für Google eher eine kommende Aufspaltung für sich anschließende Gerichtsverfahren absichern, indem die EU-Kommission Google eine letzte Chance für eigene Vorschläge gewährt.

Zugleich scheint in der EU-Kommission die Unterstützung für einen klaren Kurs gegen Google wackelig. So wurde die Entscheidung gegen Google erst verschoben, dann ohne Pressekonferenz an einem Freitagnachmittag veröffentlicht. Dabei spielen besonders die transatlantischen Konflikte eine Rolle. US-Präsident Trump reagierte auf die Milliardenstrafe prompt mit Drohungen gegen die EU. Google selbst wird aller Voraussicht nach gegen eine Aufspaltung kämpfen und ungenügende Abhilfemaßnahmen anbieten.

Auch in den USA wird über eine Aufspaltung verhandelt

Zugleich strebt das US-Justizministerium selbst weiter eine Aufspaltung Googles an. Bereits im April dieses Jahres urteilte ein US-Gericht, dass Googles Marktbeherrschung in der Online-Werbung ein illegales Monopol ist. Am 22.9. beginnt der zweite Teil des Verfahrens, bei dem es um die Abhilfemaßnahmen geht. Hier verlangt das US-Justizministerium eine Abspaltung des Auktionsservers AdX. Außerdem soll Google eine unabhängige Open-Source-Version des Dienstes für Verleger anbieten. Möglicherweise soll der Dienst auch abgespalten werden.

Eine Aufspaltung Googles ist also auf beiden Seiten des Atlantiks weiter möglich. Denn auf fachlicher Ebene ist relativ klar, dass Googles mehrfache Dominanz in der Online-Werbung mit seinen Interessenkonflikten nicht verteidigt werden kann. Eine Aufspaltung ist das angemessene Instrument dafür. Strafen reichen nicht aus und Verhaltensauflagen kann Google immer wieder umgehen. Aber die politischen Dynamiken und der große politische Einfluss von Google sorgen weiter für Unsicherheit.

Deshalb ist es wichtig, dass es deutliche Stimmen für Aufspaltungen gibt. Wir werden uns in den nächsten Wochen mit Aktionen und mit Beiträgen zu der Fachdebatte über Zerschlagungen weiter dafür einsetzen. Damit die EU konsequent gegen die Macht der Tech-Konzerne vorgeht, braucht es öffentlichen Druck und Unterstützung. Wir müssen der zuständigen Kommissarin Teresa Ribera den Rücken stärken. Unterstützen Sie uns dabei und helfen Sie uns, das Monopol von Google zu brechen:

Unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell für eine Zerschlagung!

Aktualisierung: Am 22.9.25 waren wir in Brüssel, um vor der EU-Kommission für eine Aufspaltung Googles zu protestieren. Das Foto zeigt unsere Aktion vor dem Hauptgebäude der EU-Kommission. (Die Person mit der Maske stellt die EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera dar.)